Aktuelles
Doppelkäseplatte. 100 Jahre Sammlung. 20 Jahre Kunstmuseum Stuttgart
8. März bis 12. Oktober 2025
Gruppenausstellung, Kunstmuseum Stuttgart
Gegliedert in sieben Themenräume, die die individuellen Handschriften der Kurator:innen des Kunstmuseums tragen, werden historische Zusammenhänge der Sammlung ebenso aufgezeigt wie deren Einbettung in heutige lebensnahe Fragestellungen – etwa zu Konsum oder Rassismus. Spannungsvolle Inszenierungen ergeben sich durch die Gegenüberstellung von Werken, die lange nicht oder noch nie zu sehen waren, mit aktuellen Schenkungen und Neuerwerbungen. (Text: Kunstmuseum Stuttgart)
AUSGEKOCHT – NEU EINGEDECKT
Raum Anne Marie Jehle / Susanne Hofmann
Kuratorin: Eva-Marina Froitzheim
In den 1960er Jahren kämpfen Künstlerinnen für mehr Sichtbarkeit in einem Kunstbetrieb, der von Männern beherrscht wird. Sie thematisieren in ihren Werken die Vorgaben einer Gesellschaft, die Frauen einen Platz im Haus zuweist. (…)
Susanne Hofmann (*1956) beschäftigt sich ebenfalls mit der eigenen Identität als Frau und Künstlerin sowie der gängigen Sozialisation von Mädchen in der Gesellschaft. In „Was ich werden möchte“ verwendet sie einen eigenen Schulaufsatz und überstickt den Begriff >Lehrerin< mit >Künstlerin<. Anstatt jedoch die Möglichkeit zu nutzen, das Wort von der Maschine sticken zu lassen, hat sie das Blatt unter der Nadel mit der Hand hin und her geführt und so einen individuellen Schriftzug erstellt. (Text: Eva-Marina Froitzheim)

Ausstellungsansicht Doppelkäseplatte. 100 Jahre Sammlung, 20 Jahre Kunstmuseum Stuttgart, Foto: Gerald Ulmann

1. Sozialisationswerkzeuge, Vermerke, Was ich werden möchte, Wortfeld Arbeit, Unter Vorwärtskommen verstehen wir was anderes, 1997/2001, Fotografie und Stickerei auf Stoff. Ausstellungsansicht Doppelkäseplatte. 100 Jahre Sammlung, 20 Jahre Kunstmuseum Stuttgart, Foto: Gerald Ulmann
CUT
Ein autobiografisches Forschungsprojekt über Haare
12. Juli – 1. August 2025
Oberwelt, Stuttgart
„Haare überqueren die Grenzen zwischen Innerem und Äußerem, Verborgenem und Geteiltem. Vielleicht weil Haare in uns ihren Anfang haben, ihre Wurzeln unsichtbar sind und sie dann nach außen wachsen, fühlt sich ein Teil in uns durch ihre Reise entblößt, als transportierten sie geheime Wahrheiten von innen hinaus und verbreiteten sie von unseren Köpfen aus.“ (Alessandra Lemma: Der Körper spricht immer. Körperlichkeit in psychoanalytischen Therapien und jenseits der Couch)
Unsere Haare verändern sich, und sie verändern uns ein Leben lang. Als sichtbarer Teil unserer Identität repräsentieren sie, wer wir sind und wer wir sein wollen. Etwas, das zu uns gehört. Einzigartig, solange sie auf dem Kopf angewachsen sind. Abgeschnitten werden sie von einer Sekunde zur anderen zu Abfall. Oder, sorgsam aufbewahrt, zur Reliquie.
Die Haarrelikte haben sich im Lauf des Lebens angesammelt, absichtslos. Um all die Zöpfe, Strähnen, Büschel ranken sich Geschichten, solche von Sehnsucht und Liebe, Verrat und Verlust. Radikal persönlich, spiegelt die (re-)konstruierte Erinnerung gleichzeitig kollektive Erfahrungen wider. Sie wird zur Andockstelle für die Betrachtenden, die ihre eigenen Haar-Geschichten in die Ausstellung einbringen können.

Installationsansicht CUT, 2025, Text, Haar-Reliquien, Fotos, Wandfarbe, Foto: Frank Kleinbach

Installationsansicht CUT, 2025, Beiträge von Besucher*innen, Foto: Frank Kleinbach
LEBENS.MITTEL
5. April – 23. August 2025
Gruppenausstellung, Galerie des Künstlerbundes Tübingen
désir, eine zweiteilige Arbeit aus dem Jahr 1998, thematisiert die Sehnsucht nach Resonanz im System Familie: Der sich wiederholende in Kreisform gestickte Schriftzug „Ich will ja nur, dass ihr mich liebt“ korrespondiert mit dem Foto einer selbst gebackenen, verzierten Torte. In Das Hörnchen von 2024 bezieht sich dieses Begehren auf den Kunstbetrieb.
In beiden Arbeiten geht es einerseits konkret um Essen/Lebensmittel, was mit der Notwendigkeit zum Überleben, aber auch mit Lust assoziiert ist. Gleichzeitig wird auf der symbolischen Ebene die – mitunter verzweifelte – Suche nach Bestätigung und Wertschätzung angesprochen. Auch dies eine Voraussetzung zum Überleben auf psychischer Ebene und bei der Entwicklung einer gefestigten (künstlerischen) Identität.
Insofern spannt die Arbeit einen Bogen zwischen damals und heute und erzählt von der Suche nach Anerkennung und wie diese sich zwar modifiziert, andere Formen annimmt und im Grunde doch dieselbe bleibt, sowohl in der kindlichen Identitätsfindung, als auch bei der Entfaltung eines künstlerischen Selbstverständnisses.

désir, 1998, Fotografie und Stickerei auf Stoff, Das Hörnchen, 2024, Collage auf Stoff, Wandfarbe, Foto: Tilmann Rösch

Das Hörnchen, 2024, Collage auf Stoff, Wandfarbe, Foto: Susanne Hofmann
insight: Wunschdenken
16. November 2023 – 5. Januar 2024
Gruppenausstellung, Haus der Katholischen Kirche in Kooperation mit GEDOK, Stuttgart
Quizzliquazz oder Das Spiel vom Fragen, 2009/2023, gehört zu einer Werkgruppe biografischer Arbeiten. Acht Fundstücke, Fragekärtchen aus einem Quiz, sind Ausgangspunkt für die Wandinstallation. Die vorgegebenen Antworten sind durchgestrichen. So stehen die Fragen allein und kontextverschoben im Raum und werden zur Projektionsfläche für die Betrachtenden. Die Transformation vom ursprünglich trivialen Fragequiz hin zu einem Gegenüber an der Wand eröffnet ein Feld existenzieller Themen und vielfältiger Bedeutungen. Die Fragen werden der Konvention und Banalität oberflächlicher Unterhaltung enthoben und in einen Raum echter Selbstbefragung und Introspektion überführt.

Installationsansicht Quizzliquazz oder Das Spiel vom Fragen, 2009, Fotokopien auf MDF, Wandfarbe

Quizzliquazz oder Das Spiel vom Fragen, 2009, Fotokopien auf MDF, Wandfarbe